der Tagtraum

eine ältere Frau sitzt alleine in einem Lokal und sinniert. Vor ihr steht ein Glas Wein und die Szene könnte doch ganz gewöhnlich sein. Und dennoch strahlt dieses Bild eine gewisse Faszination aus. Aber warum?
Ich denke, es ist eine Szene die wir alle kennen. Wenn wir zur Ruhe kommen, beginnen unsere Gedanken ab zu schweifen. Wir erinnern uns vielleicht an vergangene Tage mit schönen Erlebnissen oder malen uns Wünsche aus. Wir begeben uns auf eine Reise durch die Zeit. Wir sind an einem Ort aber auch gleichzeitig nicht. Im Bild ist der Ort ein Lokal, also ein Ort der für gewöhnlich sehr lebendig ist. Man trifft sich, gerne auch unverbindlich, und man redet, lacht, streitet und auch manchmal weint man hier. Beziehungen gehen auseinander und Freundschaften werden geknüpft. All das passiert um sie herum und dennoch sie ist ja gar nicht da, sie ist auf Reisen. Sie nimmt sich aber auch etwas heraus was wir in unserer Gesellschaft kaum noch haben und auch gar nicht bewusst Wert schätzen. Nämlich Zeit! Beides zusammen genommen, die Tagträume die uns immer wieder faszinieren und der Wunsch danach die Zeit dafür zu haben, schafft in diesem Bild eine hohe Identifikation mit uns und der Frau.
Durch das Licht wird sie exponiert in Szene gesetzt und hebt sich aus ihrer Umgebung ab. Fast wie ein Star im Rampenlicht. Jedoch ist sie als Akteurin gleichzeitig anwesend und auch nicht. Ich glaube, diese eindeutige Vielschichtigkeit ist der Reiz der beim Betrachten unsere Fantasie, in Hinblick auf unsere eigenen Tagträume, schweifen lässt und fasziniert.

 

Teilen mit:

2 Kommentare

  1. Helmi

    Du hast es auf den Punkt gebracht. Sie ist da (physisch), und das ist durch die Lichtsetzung hervorragend betont. Aber ihre Gedanken sind nicht an diesem Ort. Also überlegen wir, über was sie wohl nachdenken mag. Und da bleibt uns viel Phantasie. Denn noch sind Gedanken frei und anonym. Hoffen wir, dass dies noch lange so bleibt in unserer im gläsener werdenden Welt.

    Antworten
    1. Burkhard

      Du hast Recht. Die Gedanken und Träume sind in Grenzen frei. Aber nur wenn wir uns darüber bewusst sind wie, wo und wann sie manipuliert werden. Klar sollte es auch sein, dass wir immer von unserer gegenwärtigen Erlebniswelt aus gehen, das heißt, ein Steinzeitmenschen hatte sicherlich andere Tagträume als wir. 🙂

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WordPress spam blockiert CleanTalk.
This website stores some user agent data. These data are used to provide a more personalized experience and to track your whereabouts around our website in compliance with the European General Data Protection Regulation. If you decide to opt-out of any future tracking, a cookie will be set up in your browser to remember this choice for one year. I Agree, Deny
544